• Melanie Weitbrecht

Rassistische- und Gendermythen und ihre Folgen

Aktualisiert: 25. Sept.


In dem Artikel schreibe ich darüber, wie Rassistische- und Gendermythen unserer Gesundheit noch heute schaden können. Außerdem teile ich Gedanken über den Einfluss der frauenfeindlichen Beurteilung von Emotionalität im Bezug auf unsere Gesundheit und warum Psychosomatik heutzutage deshalb mit einer gewissen Achtsamkeit einbezogen werden sollte.



1.)Wie beeinflussen Rassistische- und Gendermythen unsere Gesundheit aus einer pre-evidenzbasierten Zeit der Wissenschaft?


2.)Ist die Schattenseite der zunehmenden Anerkennung der Psychosomatik ein ‘weniger ernst nehmen‘ der Symptome von Frauen*?


“Die Medizin hat ein Grundproblem geerbt:
Medizinische Mythen über Geschlechterrollen und Verhaltensweisen, aus denen Fakten konstruiert wurden, ehe sich die Disziplin zu einer evidenzbasierten Wissenschaft entwickelte, wirken bis heute auf verheerende Art und Weise nach. Mythen über den weiblichen Körper und seine Krankheiten halten sich weiter mit großer Hartnäckigkeit. Noch immer sind solche Geschlechtsmythen als Vorurteile tief verwurzelt und stehen der Versorgung, Behandlung und Diagnose aller Menschen, die sich als Frauen begreifen im Weg.”

Wir alle leben in einer androzentrischen Welt. Einer Welt in der der Standard ein männlicher Körper ist. Bis in die 90er wurde in der klinischen Forschung vor allem der männliche Körper erforscht. Die weibliche Anatomie und Physiologie findet entsprechend zu wenig Beachtung, woraus resultiert, dass spezifischen Frauen*Erkrankungen wie Endometriose schlecht erforscht sind. Tatsächlich halten sich auch Vorurteile, die sich der richtigen Diagnosestellung und Behandlung von Frauen* sogar entgegenstellen. So hält es sich immer noch in den Köpfen, ob unbewusst oder bewusst, Frauen seien generell ‘hysterischer’ und psychologisch sensibler, anfälliger für psychische Erkrankungen und ihre Symptome häufiger psychosomatisch bedingt oder gänzlich der Seele zuzuschreiben. Zu rassistischen Vorurteilen gegenüber schwarzen Frauen zählt, dass man sie für weniger schmerzempfindlich hält, wodurch sie häufig nicht die richtige Versorgung erhalten.

Natürlich besteht das Problem nicht nur im denken, sondern verlängert sich in einem rassistischen und frauenfeindlichen Gesundheitssystem, in dem BIPOC-Frauen* nicht den Zugang zu medizinischer Versorgung bekommen, wie weiße Frauen*.


Als menstruierender Mensch in einer androzentrischen Gesellschaft leben

Wie verbinde ich Lohnarbeit in diesem System mit dem Gefühl (eigentlich wollte ich Wissen schreiben, aber ein Gefühl ist genauso wertvoll, wie Wissen und gehört noch dazu mir) , dass mein Zyklus und meine Weiblichkeit mir heilig sind?


Menstruation entpathologisieren bedeutet für mich auch, dass ich mich nicht krank schreiben möchte, wenn ich aufgrund von meiner Menstruation nicht in die Arbeit kann – oder möchte. Es muss nämlich nicht unbedingt schmerzen wenn ich blute oder gar so schlimm sein, also schlimm ‘genug’ um nicht mehr arbeiten zu können, um mir zu erlauben, meinem Körper Ruhe zu gönnen. Es geht nämlich nicht darum mich ok zu fühlen, sondern gut.


„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder von Gebrechen“. (WHO)

Ich möchte, wie in anderen Ländern bereits Standard, als menstruierende Person selbstverständlich frei haben, sofern es mir beliebt.

Und um die Selbstständigkeit menstruierenden Menschen zugänglicher zu machen, könnte sich der Staat auch hier feministisch positionieren und diese freien Tage unterstützen. Eine gesunde Frau* ist ja Basis einer gesunden Gesellschaft.


Ist die Schattenseite der zunehmenden Anerkennung der Psychosomatik ein weniger ernst nehmen der Symptome von Frauen*?


Wie oft gelesen und in aller Munde, sei die Krankheit häufig die physische Manifestation von einem zu viel oder zu wenig, Folge von traumatischer Erfahrung, psychischen Erkrankungen oder anderen seelischen Leiden.

Ich finde das ist gut und wichtig zu wissen und beziehe es in meiner Arbeit als Osteopathin selbstverständlich mit ein.

Aber es kann die Symptome von Frauen* auch klein reden und dazu führen, sie weniger ernst zu nehmen.


Denn: Mal wieder in der Geschichte wird unser Schmerz relativiert und ein Bezug zur ‚Hysterie‘ hergestellt, “Emotionalität“ pathologisiert und zentralisiert, während physische Symptome relativiert werden und/oder gänzlich an Relevanz zu verlieren scheinen.

Fakt ist, dass Gendermythen immer noch Gendererwartungen prägen und damit darauf Einfluss nehmen, wie ernst wir ein Symptom einstufen, wie echt und wie behandlungswürdig es uns erscheint.


Frauen* bekommen zum Beispiel häufiger Antidepressiva und weniger häufig als Männer* Schmerzmittel verschrieben.

Systemimmanent ist der klinischen Forschung in den letzten Jahrhunderten (teilweise bis heute) nicht nur Frauen*feindlichkeit sondern auch Rassismen.

Rassistische Mythen über schwarze Frauen* beeinflussen die Medizin heutzutage so stark, dass schwarze Frauen* häufig zu spät oder falsch diagnostiziert werden.

In Großbritannien sterben dadurch schwarze Frauen* fünf mal häufiger an Komplikationen wöhrend Schwangerschaft und Geburt als weiße Frauen*.


“Die Entwicklung von Medizin und Gesundheitswesen ist nicht nur ein Kernstück des sozialen Fortschritts, sondern immer zutiefst politisch.”

Inspiriert wurde ich für diesen Artikel vor allem aus dem Buch ‘Die kranke Frau’, ich bedanke mich für die Inspiration zu meinen Gedanken und für Zitate und Fakten bei Elinor Cleghorn.



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